von Carolin Siegl
Sieben Wochen lang, vom 5. März bis zum 23. April, stand an der Mittelschule Oettingen ein Thema im Mittelpunkt, das im Schulalltag oft zu kurz kommt – und doch alle betrifft: die psychische Gesundheit. Mit der interaktiven Mitmach-Ausstellung „Wie geht’s?“ brachte die kommunale Jugendarbeit des Landkreises Donau-Ries ein Angebot an die Schule, das weit über reine Wissensvermittlung hinausging.
Schon beim ersten Betrachten der Plakate wurde deutlich: Hier geht es nicht ums stille Konsumieren von Informationen, sondern ums Mitmachen, Nachdenken und vor allem ums Reden. An insgesamt zehn Stationen konnten sich die Schülerinnen und Schüler auf anschauliche und lebensnahe Weise mit Themen wie Stress, Angst, Freundschaft, Mobbing oder auch schweren psychischen Erkrankungen auseinandersetzen.
Dabei war die Ausstellung bewusst altersgerecht aufgebaut. Für unterschiedliche Klassenstufen gab es jeweils angepasste Varianten, sodass sowohl jüngere als auch ältere Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu den sensiblen Inhalten finden konnten – ohne überfordert zu werden, aber dennoch mit genügend Tiefe für echte Auseinandersetzung.
Stationen mit eindringlichen Titeln wie „Kein Land in Sicht“, „Depression hat viele Gesichter“ oder „Gefangen von meiner Angst“ machten deutlich, wie vielschichtig psychische Belastungen sein können. Andere Bereiche wie „Was dich stark macht“ oder „Blau sein, Grau sein? Stärker sein!“ setzten bewusst auf positive Impulse und stärkten die Ressourcen der Jugendlichen. Auch schwierige und oft tabuisierte Themen fanden ihren Platz, etwa bei „Seelenkratzer“ oder „Psychose – selbst erlebt“.
Besonders eindrücklich war die Station „Mobbing in der Schule“, die bei vielen Schülerinnen und Schülern unmittelbare Reaktionen auslöste. Hier wurde nicht nur informiert, sondern auch zur Reflexion angeregt: Wie gehe ich mit Konflikten um? Wo beginnt Mobbing? Und wie kann ich helfen – mir selbst oder anderen?
Ein zentrales Anliegen der Ausstellung war es, Hemmschwellen abzubauen. Gefühle benennen zu können, Verständnis für andere zu entwickeln und zu erkennen, dass niemand mit seinen Problemen allein ist – all das wurde in den verschiedenen Stationen greifbar gemacht. Unterstützt wurde dies durch liebevoll gestaltete Plakate, die bewusst Gesprächsanlässe schufen.
Und genau diese Gespräche fanden statt. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, von eigenen Erfahrungen zu berichten – ein Zeichen dafür, dass die Ausstellung einen geschützten Raum bot. „Man hat gemerkt, dass plötzlich Dinge ausgesprochen wurden, die sonst oft unausgesprochen bleiben“, berichtete eine Lehrkraft.
Ergänzt wurde das Angebot durch kleine, aber wirkungsvolle Begleiter: Postkarten mit Mut machenden Sprüchen und konkreten Tipps sowie kleinen „Challenges“ zur Pflege der eigenen Seele. Auch ein sogenannter Akupressurring, der durch sanfte Reize Entspannung bzw. eine Umlenkung des Fokus fördern kann, wurde verteilt und von vielen Jugendlichen neugierig ausprobiert.
Die Ausstellung zeigte, dass Prävention nicht kompliziert sein muss, sondern vor allem eines braucht: Offenheit. Indem sie Wissen vermittelte, Empathie förderte und Raum für Austausch schuf, leistete „Wie geht’s?“ einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung psychischer Belastungen.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass diese sieben Wochen mehr waren als ein Projekt – sie waren ein Anstoß. Ein Anstoß, genauer hinzuhören, nachzufragen und vielleicht auch öfter die einfache, aber entscheidende Frage zu stellen: Wie geht’s dir eigentlich?